Heimatpoesie.


DSC_7688

Es wird Frühling und ich habe fast vergessen
Fahre zwischen den gelben Rapsfeldern entlang;
Offenes Dach

Haarsträhnen fängt der Wind
Und meine Gedanken
sind frei


DSC_7720k


DSC_7753k


DSC_7759k

DSC_7773k

Früher, da wollte ich immer raus, wegziehen so bald wie möglich und diesem Ort den Rücken kehren.
Ich erinnere mich noch genau daran, wie sich dieses Teenagergespinst in Heimatliebe verwandelte.
Als ich es zu schätzen lernte, hier aufgewachsen zu sein, hier leben zu dürfen und zu wissen, dass sich dieses Fleckchen Erde für immer in mein Herz geschummelt hatte.

Früher, da dachte ich, so etwas würden nur ältere Menschen von sich geben.
Menschen, die schon viel gesehen und erlebt hatten und nun einen Ort brauchten, an dem sie sich festhalten konnten.

Für mich ist Heimat mittlerweile viel mehr als nur ein Ort.
Es ist dort, wo ich verstanden werde und jede noch so verrückte Idee akzeptiert wird, wo ich mich ganz frei und geborgen fühlen kann.

Heimat ist nicht nur ein Ort, Heimat ist ein Gefühl, eine Erinnerung, ein Mensch, der einem viel bedeutet.
Heimat ist Emotionen, ein Lächeln, ein zustimmendes Nicken, ein Augenzwinkern und ein Lachen, bis der Bauch wehtut.


DSC_7782k






Agoraphobie 2.0 - Mein Kampf gegen die Angst

Schon oft habe ich versucht, mit Worten zu beschreiben, wie sich die letzten 3 Jahre für mich angefühlt haben.
Die Reaktionen der Leser zeigten mir zwar, dass meine Worte ankamen und verstanden wurden, für mich ist dieses Kapitel jedoch noch nicht abgeschlossen.

Es gibt immer noch Dinge und Situationen, die ich langsam oder anders angehen muss und mir fallen dabei immer wieder neue alte Erinnerungen ein, die ich verdrängt hatte.
Jetzt könnte man meinen, diese Erinnerungen gingen keinen etwas an, aber ich habe keine Angst, darüber zu reden oder zu schreiben, tatsächlich hilft es mir, mich und meine Psyche in bestimmten Situationen noch besser verstehen zu können und auch meinem Umfeld begreiflich zu machen, warum ich so fühle wie fühle.

Während meine beste Freundin mich bereits „Xtreme Rebel Lea 2.0“ nennt, weil ich frei von Panikattacken bin und wieder jede Situation meistern kann, die mir unüberwindbar vorkam, muss ich mir oft ins Gedächtnis rufen, wie viel ich tatsächlich erreicht habe.
Denn natürlich ist da immer noch ein bisschen Angst übrig, die ich bändigen oder einfach über mich ergehen lassen muss und sei es auch nur dieses blöde Herzrasen, obwohl ich eigentlich gar nicht so aufgeregt bin, wie mein Körper wieder tut.
Mittlerweile kann ich meistens darüber lachen, wenn mein Körper mal wieder Gefahr wittert, wo absolut keine ist, aber das war nicht immer so.

Wie sind diese Panikattacken überhaupt entstanden?
Meine Therapeutin hat mir das so erklärt:
Jeder Mensch hat mehr oder weniger stark ausgeprägte Urinstinkte, die wir von unseren Vorfahren übernommen haben.
Eine davon ist der natürliche Fluchtinstinkt, wenn Gefahr droht.
Stresshormone werden ausgeschüttet, darunter Adrenalin: Puls und Blutdruck steigen an, Muskeln werden angespannt, der Atem geht schneller und das Gehirn stellt sich auf das Wesentliche ein: Bereit für den Kampf oder die Flucht.

Alles begann ungefähr im September 2011, ich war gerade als Austauschschülerin in den USA.
Anfangs fühlte es sich an wie eine normale Erkältung.
Ich war immer müde, schlapp, mir war oft schwindelig und das Atmen fiel mir schwer, dazu kam, dass ich manchmal am ganzen Körper zitterte und mir schwarz vor Augen wurde.
Lange nahm ich das einfach so hin, weil die Ärzte mir eintrichterten, das käme von der Erkältung und dem ungewohnten Umfeld. Bald würde es mir sicher besser gehen.
Stattdessen wurde es schlimmer.
Bei jeder Blutabnahme fiel ich in Ohnmacht (wobei ich mich immer noch frage, was die Ärzte mit dem Blut angestellt haben), ich war morgens zu kraftlos, um zur Schule zu gehen und manchmal saß ich auf meinem Bett und wusste nicht mehr, was ich die Stunde zuvor getan hatte. Erinnerungslücken.

Ich fürchtete mich, abends schlafen zu gehen, weil ich Angst hatte, nicht mehr aufzuwachen.
Ein unwirkliches Gefühl begleitete mich, als würde ich in einer Seifenblase stecken und mich von oben herab beobachten.
Ich dachte, ich würde verrückt werden, weil ich mir all das laut der Ärzte nur einbilden würde.

Vermutlich begannen die Panikattacken bereits dann, aus dem einfachen Grund, da mein Körper so geschwächt war und es mir so schlecht ging, dass er die Gefahr nicht mehr richtig einordnen konnte.
So einfach entsteht eine Angststörung.

Nun war mir natürlich nicht bewusst, dass das, was ich durchmachte, auch noch von Panikattacken gespickt war.
Ich musste zu dieser Zeit oft aus dem Unterricht, da mir wieder schwarz vor Augen geworden war und das eine Panikattacke ausgelöst hatte.
Es verging kein Tag, an dem meine Gastmutter mich nicht früher abholen musste.

Diagnose: Diabetes Typ 1
Da ich außerdem immer weiter abnahm, kaufte mir meine Gastfamilie in ihrer Verzweiflung Nährstoffshakes und diese kleinen Flaschen mit blauem Deckel markieren für mich den ersten Wendepunkt meiner Geschichte.
Es war wieder einer dieser Tage, wo ich den ganzen Tag im Bett gelegen und an die Decke gestarrt hatte, um dem Schwindel zu entkommen.
Ich konnte ja nicht ahnen, dass der Schwindelanfall, der auf den Nährstoffshake folgte, alles in den Schatten stellte.
Woran ich mich erinnern kann, ist, dass sich der Raum drehte und ich verzweifelt versuchte, meine Augen offen zu halten, was mir nicht gut gelang.
Ich bekam keine Luft und hyperventilierte, mein Gastvater trug mich ins Auto und wir fuhren ins Krankenhaus, dazu noch eine ganze Reihe an Eindrücken und Emotionen, die ich nicht beschreiben kann.
Im Krankenhaus musste ich in eine braune Tüte atmen, mein Blut wurde untersucht und eine ganze Reihe an Tests folgten.
Komisch, dass ich mich daran erinnern kann, wie meine Gastmutter und ich anfangen mussten, zu lachen, als ich dort mit der blöden Tüte saß und endlich eine Diagnose bekam: Diabetes Typ 1.

PC234764
Damals: Mit Rollstuhl bei Abraham Lincoln am Flughafen posieren 

Ich wurde falsch behandelt
Klar, könnte man denken. Erleichterung. Endlich würde es bergauf gehen.
Nach einem üblen Glukosetoleranztest, es war der schlimmste Tag meines Lebens, war klar, dass die Diagnose stimmte. Nach 2 Monaten, in denen es mir so dreckig ging, dass ich nur im Bett liegen konnte, aber mir angeblich alle Beschwerden nur eingebildet hatte.
Leider wurde es nicht besser, da ich trotz der Diagnose falsch behandelt wurde, nämlich wie ein Typ 2 Diabetiker mit einer strengen Diät, die selbst hier bei uns in Deutschland so nicht mehr üblich ist.

Der Entschluss, endlich nach Hause zu fliegen, war nicht einfach und ich habe mich lange dagegen gesträubt, meinen Traum „Auslandsjahr“ aufzugeben, aber die Verzweiflung meinerseits war einfach zu groß.
Ich traute mich nicht mehr aus dem Haus, ich war zu schwach, um im Stehen zu duschen und ich nahm immer weiter ab, obwohl ich die Diät nicht mehr befolgte.

Ich musste viel neu lernen
Psychisch und physisch am Tiefpunkt kam ich in Deutschland an und verbrachte sehr viel Zeit im Krankenhaus.
Ich musste lernen, meinen Alltag mit Diabetes zu managen, die Panikattacken zu bändigen und wieder entspannen zu können.
Ich musste Mut aufbringen, um wieder aus dem Haus zu gehen, meine Muskeln aufzubauen und in Menschenmassen nicht den Kopf zu verlieren.

Ich konnte nicht mal zehn Minuten spazieren gehen, ohne völlig fertig zu sein.
Ich hielt die großen Pausen in der Schule nicht aus und verbrachten diese oft auf der Toilette oder in einer ruhigen Ecke.
Ich konnte nicht einfach in die Stadt oder ins Kino, weil mir große Plätze Angst machten.
Ich war lange Zeit sehr angespannt, konnte keine fünf Minuten still sitzen und ertrug nur so viel körperliche Nähe wie zu einer kurzen Umarmung nötig war.

Und das sind nur einige der Dinge, für die ich kämpfen musste und auf die ich zurückblicke, wenn ich mal wieder unzufrieden über meine Leistungen bin.
Denn sicher ist: Ich habe eine Menge erreicht und kann stolz auf mich sein.
Was ich anderen (vielleicht) wiederum voraushabe, ist, dass ich weiß, wofür es sich zu kämpfen lohnt und ich jeden Tag mit der Gewissheit aufstehe, dass ich alles schaffen kann, wenn ich es nur will.

In meiner Geschichte bin ich die Gewinnerin.







Träumen mit offenen Augen aber verschlossener Seele - Fotografie.



DSC_5477

DSC_5484

DSC_5486

Sie träumte mit offenen Augen aber verschlossener Seele - von einer Welt, in der jeder seinen Träumen nachgehen konnte.
Herzensangelegenheiten anstatt Kopfsache, Gefühle ausleben, anstatt über jede Konsequenz nachzudenken.
Doch auch ihre Gedanken fesselten sie, hielten sie umschlungen und nährten sich von negativen Blitzen, die ihre Welt durchzuckten.
Wie schön es gewesen war, als ihr Verstand noch von tausenden unbenannten Farben erhellt wurde und sie nicht in dem Wissen war, dass die Unendlichkeit eines Tages anhalten würde.

Entscheidungen treffen, unwissend darüber, ob richtig oder falsch, ob bunt oder eintönig, erschien ihr plötzlich so schwer.
Ihr, die nie zweifelte und immer gewusst hatte, was das Richtige für sie war.

Sie hatte so verzweifelt versucht, dass sie sich in Gedankennetzen verirrt hatte, die ihr die Sicht auf die einfache Lösung nahmen.
Ohne dunkle Schattierungen würde es keine Farbenfrohen geben, ohne Dunkelheit kein Licht, ohne falsche Entscheidungen keine Richtigen.

Das, was sie glaubte, verloren zu haben, war nur versteckt, bis sie wieder anfing, es wertzuschätzen.
Und als sich ihre Seele öffnete, erstrahlte ihre Welt in den unterschiedlichsten Farben, für die sie eines Tages Namen finden würde.


DSC_5496

DSC_5494

DSC_5497





Dimmuborgir - Willkommen in der Stadt der Trolle.



Der 2. Tag unserer Rundreise führte uns nach dem Godafoss weiter in eine völlig neue Landschaft.
Hier waren wir umgeben von riesigen Lavaformationen, durch welche sich viele farbenfrohe Sträucher zogen und das Gebiet in ein Meer aus Herbstfarben verwandelten.
So eine Auswahl an verschiedensten Naturtönen habe ich bislang noch nie gesehen und so machten diese das Gebiet um Myvatn herum wirklich zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Ich habe bereits Bilder von allen Jahreszeiten dort gesehen, allerdings kann meiner Meinung nach nichts diese Herbstfarben toppen!

Das Gebiet, über welches ich heute erzähle, heißt Dimmuborgir.
Mittlerweile sind Wanderwege durch das gesamte Gebiet entstanden, so dass man zwischen den schwarzen Lavaformationen hindurchlaufen kann.
Fast am Ende des mittleren Wanderweges steigt man auf einen kleinen Berg und kann dort das gesamte Gebiet überblicken, die Aussicht ist einfach magisch und ein Muss für jeden Islandurlauber.

DSC_9225

Tatsächlich war Dimmuborgir zu Wikingerzeiten mit dem Zuhause Satans verknüpft, heutzutage und in den isländischen Sagen sind hier jedoch Trolle beheimatet.
Tatsächlich glauben 90% der isländischen Bevölkerung an Fabelwesen und wenn ich ehrlich bin, konnte ich mir beim Wandern sehr gut vorstellen, dass die Trolle wirklich existieren. Und wer weiß, nur weil man etwas nicht begründen kann, heißt es ja nicht, dass es nicht da ist.

Zu Weihnachten trifft man in Dimmuborgir außerdem auf die Yule Lads, die 13 isländischen Weihnachtsmänner.

DSC_9267

Die "Kirkjan" ist keine Kirche im klassischen Sinne, sondern eine besondere Lavaformation in der Mitte des Gebietes, durch die man hindurchlaufen kann.
Alternativ auch Tor der Hölle genannt, allerdings war ich beim Hindurchgehen weiterhin von so himmlischer Natur umgeben, dass ich dem keinen Galuben schenken kann.

DSC_9294

DSC_9257

DSC_9239

Sicher gibt es in Island Spannenderes als moosbewachsene Lavahänge, die Natur und der Gedanke daran, dass seit tausenden von Jahren Menschen durch die Farbenpracht und Einzigartigkeit dieser Formationen inspiriert werden, hinterlässt jedoch eine friedliche Landschaft, in der man Energie tanken und mit sich im Reinen sein kann.
Es gibt in der Tat viele Islandreisende, die allein reisen und auf der Suche sind. Nach Inspiration, nach dem Sinn des Lebens oder eben nach sich selbst.
Und ich bin mir sicher, dass sie dort fündig werden.

DSC_9190

DSC_9360

DSC_9346

DSC_9315